Abschlussbericht der Netzwerkarbeit in der Projektwohngruppe „Haus 3“

geförfert von der Glücksspirale

Im Laufe der Projektzeit wurde die Netzwerkarbeit in der Projektwohngruppe erfolgreich ausgebaut.

Die Projektwohngruppe hat ein modifiziertes Phasenmodell entwickelt, mit dessen Hilfe eine individuelle Förderung der einzelnen Bewohner möglich gemacht und Überforderungssituationen minimiert werden sollen. Der Übergang in ein weitgehend selbständiges Leben und Arbeiten erfolgt fließend.

Einigen Bewohnern ist es schwer möglich, sich selber ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen, was zu einer vermehrten Isolation und Anonymität führen kann. Es hat sich gezeigt, dass unsere Bewohner mit Unterstützungsbedarf oftmals einen Fürsprecher benötigen, um ihre Ziele erreichen zu können. Weiterhin kommen im Rahmen der Verselbstständigung viele neue, unvorhergesehene Situationen auf die jungen Erwachsenen zu, die große Unsicherheiten bis hin zu Lebenskrisen auslösen können. Hier soll die soziale Netzwerkarbeit ansetzen. Der Schwerpunkt liegt auf der Hilfe zur Selbsthilfe.

Mit Hilfe der Netzwerkarbeit wird der soziale Raum der Bewohner vermehrt in den Blick genommen. Eine gute Kooperation mit den verschiedenen Bereichen (Schule, Bildungseinrichtung, Job, Agentur für Arbeit, Kostenträger, Familie, Betreuer, usw.) begünstigt einen zielorientierten Werdegang.

Von insgesamt 18 Teilnehmern, die in der Projektwohngruppe aufgenommen wurden, haben 11 junge Erwachsene die Wohngruppe inzwischen verlassen.

Von diesen 11 Bewohnern wechselten 3 Bewohner in eine stationäre Wohnform (1x Wohnheim der WfbM, 1x Internat BBW und 1x Rückkehr in die Regelwohngruppe des St. Vincenzhauses), 4 junge Erwachsene zogen in eine eigene Wohnung, 4 wieder ins Elternhaus (teilweise nur übergangsweise). Die Gründe hierfür sind vielschichtig und liegen nicht zwangsläufig in der Verselbstständigung begründet. Dieses Ergebnis entspricht einer Erfolgsquote von 72%.

Von den 11 jungen Erwachsenen wechselte einer in die teilstationäre Versorgung (Eingangsverfahren der WfbM). 10 Bewohner konnten in Maßnahmen integriert werden, mit dem Ziel 1. Arbeitsmarkt oder wurden direkt auf dem 1. Arbeitsmarkt vermittelt. Dieses Ergebnis entspricht einer Erfolgsquote von 90%.

Das in den Jahren aufgebaute Netzwerk zeigt zum Ende der Projektzeit sichtbare Erfolge. Durch eine regelmäßige Zusammenarbeit mit allen Beteiligten konnte eine kontinuierliche Entwicklung und Umsetzung von Strategien, Lösungsansätze und Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation unserer Bewohner angestrebt werden.

Das St.Vincenzhaus konnte seinen Bekanntheitsgrad erweitern. Ziele und Konzepte unserer pädagogischen Arbeit werden öffentlich zugänglich gemacht, der Inklusionsgedanke wird immer wieder in den Fokus gerückt und feste Strukturen lassen sich nach und nach aufweichen.

Einen Ansprechpartner zu haben, der sich kümmert und für alle Parteien das Optimum anstrebt, ist oftmals der Schlüssel zu einer wohlwollenden Zusammenarbeit und einer erfolgreichen Integration.

Ich habe viele regionale Betriebe, Bildungseinrichtungen sowie Menschen kennengelernt, die mir einen Einblick in ihre Lebens- und Arbeitsbereiche ermöglicht haben. Vor- und Nachteile einer Beschäftigung von Menschen mit Unterstützungsbedarf sind immer wieder zentrale Gesprächsthemen, die es gilt auszuloten. Durch einen intensiven Informationsfluss hat das Vertrauensverhältnis mittlerweile insoweit an Bedeutung gewonnen, dass bei passenden Rahmenbedingungen eine langfristige Kooperation gewünscht und auch als sinnvoll (im Rahmen der Zielsetzung) erachtet wird.

Das Netz gewährt mir als Pädagogin den Vorteil, dass Wege kürzer werden und Ziele schneller erreicht werden können. Mein Wissen erweitert sich stetig, ich erhalte viele Informationen, die ich den jungen Erwachsenen je nach Anliegen zukommen lassen kann. Ohne dessen hätten einige Teilnehmer möglicherweise schon eher eine Tätigkeit in der WfbM aufnehmen müssen, wären arbeitslos bzw. als nicht „gemeinschaftsfähig“ eingestuft.

Die Netzwerkarbeit besteht auch darin, mutig zu sein und Dinge auszuprobieren. Verschiedene Situationen und ein neues Umfeld lassen unsere Bewohner manchmal auch über sich hinauswachsen und unerwartete Veränderungen zu. Der Wunsch nach einem weitestgehend selbständigen Leben (jenseits unserer Ansprüche) steht im Vordergrund und sollte ernstgenommen werden. Der dafür nötige Zeitrahmen ist sehr unterschiedlich und muss individuell und flexibel gehandhabt werden.

Seit September 2016 können Bewohner der Projektwohngruppe nahtlos ins Ambulante Wohnen wechseln, welches ebenfalls von mir als Pädagogin begleitet wird. Die neu konzipierte Ambulante Wohnbetreuung des St. Vincenzhauses richtet sich an junge Erwachsene bzw. vorrangig an die Absolventen unserer Förderschule und den Teilnehmern der Projektwohngruppe, deren zukünftiger Wohnort im Landkreis Cloppenburg ist. Dieses Angebot soll die lückenlose Betreuungskette im St. Vincenzhaus vervollständigen und weitere Schnittstellenprobleme minimieren.

Die Netzwerkarbeit ist für einen gelingenden Übergang von Schule in den Beruf bzw. in ein selbständiges Leben unerlässlich. Im Rahmen einer lückenlosen Betreuungskette legen wir als Einrichtung auch über die Projektzeit hinaus Wert darauf, dauerhaft und zuverlässig unsere aufgebauten Kontakte zu pflegen. Es bedarf aktive und engagierte Partner zur Verwirklichung aktueller, konkreter Ziele.

Nach Ablauf der Projektlaufzeit installieren wir in der Projektwohngruppe einen Anteil an Netzwerkarbeit, um diese gewinnbringende Arbeit zu gewährleisten.

Ich freue mich auf weitere interessante Erfahrungen!

Sandra Többenotke

(Dipl. Pädagogin)

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